Spucks Nussknacker, der tief berührt und doch amüsiert!

Warum Ballettliebhaber den neuen Nussknacker sehen sollten?

Ein brilliant erzähltes Handlungsballett virtuos getanzt!  
Christian Spuck beweist wieder einmal, dass er ein exzellenter Geschichtenerzähler ist. Sein besonderer Clou: Die Vorgeschichte der Originalversion von E.T.A. Hoffmann wird in den Ballettklassiker integriert. Aus der gewohnten einfältigen, wenn auch geliebten Nummernrevue wird ein Thriller, der einen von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt. Mit tollem Tanz – ohne jeden Kitsch und Ballast – präsentieren Christian Spuck und sein Team eine grotesk düstere Handlung.

Ballett Zürich - Nussknacker und Mausekönig - 2017/18

Unheimliche Unterhaltung!
Geschickt spielt Christian Spuck mit Seh- und Hörgewohnheiten. Das Ganze startet nicht mit der klassischen Ouvertüre, sondern mit leisen zaghaften Klängen eines Akkordeons zu der vertrauten Musik der Zuckerfee. Den sprichwörtlichen „Spannungsbogen“ hält gespenstisch geschickt Drosselmeier in seinen spitzigen Händen und führt das Publikum durch die verschiedenen Welten – von der traditionellen Familie Stahlbaum hin zur bunten Fantasiewelt der Marie. Die Beziehungen der verschiedenen Charaktere wie Mausekönigin Mauserinks, Prinzessin Pirlipat, der Nussknacker und natürlich Drosselmeier werden lebendig.

Ballett Zürich - Nussknacker und Mausekönig - 2017/18

Als Höhepunkt des Balletts choreografierte Spuck ein berührendes Pas de Deux, in dem sich die beiden Teenager Marie und Drosselmeiers Neffen behutsam annähern. Der klassische Tanz wird durch einige Moves kurz unterbrochen. Ganz unbeschwert geben sich die beiden, ganz wie junge Erwachsene heutzutage.

photo_gregory_batardon_d1a2633_mfooter.jpg

Immer wieder bricht Christian Spuck ironisch mit der tragischen Handlung. Zu ernst sollte und kann die Schauergeschichte doch nicht genommen werden.

photo_gregory_batardon_d1a2597n_mfooter.jpg

Raffiniertes Bühnenbild und opulente Kostüme schaffen Magie
Das minimalistische Bühnenbild von Rufus Didwiszus mit einer Bühne auf der Bühne und die fantasievollen Kostüme von Buki Stiff schaffen eine einmalige Wunderkammer, in der Magisches passiert. Es war sicherlich eine gute Entscheidung Christian Spucks, Künstler zu engagieren, die noch nie ein Ballett ausgestattet haben. Ganz unbelastet von gängigen Traditionen setzen sie die Geschichte in ein neues Licht.

Ballett Zürich - Nussknacker und Mausekönig - 2017/18

 

Absolut sehenswert! Ein Muss für Ballettliebhaber!

Big News Das Ballett Zürich wurde vom Bolschoi Theater, dem heiligen Tempel des Balletts, eingeladen, diesen Nussknacker in Moskau vorzuführen.

Rezensionen
https://www.nzz.ch/feuilleton/wenn-muffins-ins-tanzen-kommen-ld.1322090
http://www.oper-aktuell.info/kritiken/details/artikel/zuerich-nussknacker-und-mausekoenig-14102017.html

Weitere Infos zur Besetzung und Vorstellungen
https://www.opernhaus.ch/spielplan/ballett/

Aufführungen in Zürich: 14.10. | 20.10. | 29.10. | 3.11. | 10.11. | 11.11. | 9.12. | 12.12. | 15.12 | 17.12. 2017 | 2.2. | 3.2. | 28.2. | 16.3. | 17.3. | 13.3. | 15.4.2018

Mein Interview mit Christian Spuck zum neuen Nussknacker
https://ballettloversblog.com/2017/10/12/knackt-das-ballett-zuerich-den-nussknacker/comment-page-1/

NZZ-Rezension

Wenn Muffins ins Tanzen kommen
Zucker, Schokolade, Blumen – Tschaikowskys «Nussknacker» ist in der Regel eine ziemlich süsse Angelegenheit. Christian Spucks mischt dem Ballett einen ordentlichen Schuss schwarze Romantik bei.
Martina Wohlthat
Ein bisschen Düsternis muss sein, daneben lässt es Christian Spucks Inszenierung aber auch am szenischen Witz nicht fehlen. (Bild: Gregory Batardon)

Ein bisschen Düsternis muss sein, daneben lässt es Christian Spucks Inszenierung aber auch am szenischen Witz nicht fehlen. (Bild: Gregory Batardon)

Die Katze lässt das Mausen nicht, und so war uns klar, dass Christian Spuck als erklärter Fan von E. T. A. Hoffmann sich irgendwann den «Nussknacker» vornehmen würde. Allerdings ist die Handlung dieses Balletts selbst für Ballettomanen recht dürftig mit einem bürgerlichen Weihnachtsfest, auf das eine Schlacht mit Spielzeugsoldaten und eine Traumreise ins süsse Land Konfitürenburg folgen. Verloren geht dabei meist die Hintergründigkeit des Märchens «Nussknacker und Mausekönig» von E. T. A. Hoffmann, auf dem das Ballett basiert.

Es bietet sich also an, durch den Rückgriff auf Hoffmanns schwarze Romantik mehr Tiefgang in das Stück zu bringen. Hier setzt die Neuinszenierung von Christian Spuck an, die unter dem Titel «Nussknacker und Mausekönig» am Opernhaus Zürich uraufgeführt wurde und demnächst am Moskauer Bolschoi-Theater gastieren wird. Ein «Nussknacker» ohne Zuckerguss – geht das?

Sinistrer Zeremonienmeister

Christian Spuck siedelt das Ballett als Vexierspiel in einem verfallenen Variététheater an, wo sich die Ebenen von Realität und Imagination überlagern (Bühne: Rufus Didwiszus). Hier befindet sich Drosselmeiers Werkstatt mit Puppen und merkwürdigen Spielwerken, ein Anziehungspunkt für das Mädchen Marie und seinen Bruder Fritz. Der Pate Drosselmeier ist der Zeremonienmeister der Phantastik, eine Figur, in der sich der Dichter Hoffmann selbst porträtiert und die bei Spuck mit Doppelgängern auftritt. Der Tänzer Dominik Slavkovsky verkörpert mit grandioser Schlaksigkeit diesen unheimlichen Wanderer zwischen den Welten. Mit seiner beschwörenden Gestik stachelt er Maries Phantasie an, verblüfft, verzaubert und manipuliert.

Ergänzt wird die Handlung um jenes Märchen im Märchen, das bei Hoffmann für Gänsehaut sorgt – «Das Märchen von der harten Nuss». Darin wird erklärt, warum ein Nussknacker zum Prinzen werden kann und wieso sich Marie in den Holzkerl verliebt. Denn auch Marie hat eine Doppelgängerin – Prinzessin Pirlipat. Die böse Frau Mauserinks verzaubert Pirlipat in ein Scheusal. Der Zauber kann nur gebrochen werden, wenn Pirlipat den süssen Kern einer besonders harten Nuss verzehrt, die Nuss muss von einem Jüngling geknackt werden – Drosselmeiers Neffen. Doch bei der Rettungsaktion passiert ein Malheur. Der adrette junge Mann im Pullunder wird in einen hölzernen Nussknacker verzaubert, der erst durch Maries Mitgefühl seine menschliche Gestalt wieder erlangt.

Drosselmeiers Patentochter Marie (Michelle Willems) steht staunend vor diesem Geschehen, und es hat schon bei Hoffmann etwas durchaus Zweischneidiges, dass ein düsterer Mann mit wehendem Mantel und schief sitzendem Zylinder das erotische Erwachen einer jungen Frau in Gang bringt.

Dies wird vom Choreografen jedoch nur unterschwellig mit einem «Pas de trois» angetönt und zugleich ironisch gebrochen, wenn Drosselmeier den ersten Kuss von Marie und seinem Nussknacker-Neffen revuehaft-verschmitzt mit dem Zylinderhut abschirmt. Drosselmeier ist ein Zauberer, der nicht mit weissen Kaninchen, sondern mit Mäusen trickst. Manche Erwartungen werden da humorvoll unterlaufen. Im Schneeflockenwalzer tragen die Ballerinen schwarze Glitzer-Tutus mit kleinen Lämpchen, die auf die unvermeidlichen Lichterketten der Weihnachtszeit anspielen.

Kräftig umgebaut

Für ihr Handlungsgerüst haben Spuck und seine Dramaturgen die Reihenfolge der Ballettmusik von Peter Tschaikowsky umgestellt. Die musikalischen Nummern erklingen nun in ungewohnten Zusammenhängen. Da bleibt kaum ein Stein auf dem anderen.

Gewisse Anlaufschwierigkeiten dieser dramaturgisch interessanten, vielschichtigen Neufassung liegen hauptsächlich im musikalischen Ablauf begründet. Gerade im handlungsreichen ersten Akt des Balletts ist Tschaikowskys Musik in ihrer äusseren Anlage und ihrer inneren Gestimmtheit so feingliedrig auf das Geschehen ausgerichtet, dass die veränderte Reihenfolge etwas kurzatmig wirkt.

Der Eindruck eines hübschen musikalischen Flickenteppichs lässt sich nicht ganz vermeiden, manches ist auf den Kopf gestellt: «Valse finale et apothéose» stehen nun am Beginn. Der spanische Tanz aus dem zweiten Akt untermalt mit Kastagnetten das Nussknacken Pirlipats. Die Zuckerfee tanzt zum Arabischen Tanz, während die ihr zugehörige, perlend-glitzernde Melodik der Celesta eingangs auf dem Akkordeon erklingt. So ist dies im Grunde eine lustig-hintersinnige Collage über die «Nussknacker»-Musik, die von der Philharmonia Zürich unter dem Dirigenten Paul Connelly in leuchtenden Klangfarben und mit kernigen Bläsern ausgemalt wird.

Ein Augenschmaus

In den farbenprächtigen Kostümen von Buki Shiff tanzt das Zürcher Ballett formvollendet und mitreissend temperamentvoll. Es gibt die schwarz-weissen Pirlipat-Episoden, eine viktorianische Familienwelt und kulinarisches Personal für das Divertissement. Die Kostüme charakterisieren die Figuren und transportieren das Ballett in die Gegenwart. Im Blumenwalzer herrscht ironische Flower-Power – Blumen schmücken hier die Hipster-Bärte der Tänzer. William Moore gleitet als Drosselmeiers Neffe und Nussknacker-Prinz auf dem Skateboard über die Bühne und brilliert in der anspruchsvollen Doppelrolle mit seiner Wandlungsfähigkeit. Die Zuckerfee (Viktorina Kapitonova) tanzt virtuos im Muffin-Tutu.

Dieser Verlockung kann selbst Drosselmeier nicht widerstehen, und er streckt seine Spinnenfinger nach einem kandierten Früchtchen aus. In diesem Paten steckt wohl doch mehr verborgene Leidenschaft, als wir uns vorstellen möchten.

Zürich: NUSSKNACKER UND MAUSEKÖNIG, 14.10.2017

Ballett in einem bis drei Akten, je nach Fassung ,mit Prolog und Epilog | Musik: Pjotr Iljitsch Tschaikowski | Libretto: Marius Petipa | Uraufführung: 18. Dezember 1892 in St.Petersburg | Aufführungen in Zürich: 14.10. | 20.10. | 29.10. | 3.11. | 10.11. | 11.11. | 9.12. | 12.12. | 15.12 | 17.12. 2017 | 2.2. | 3.2. | 28.2. | 16.3. | 17.3. | 13.3. | 15.4.2018

Zürich: NUSSKNACKER UND MAUSEKÖNIG, 14.10.2017

Kritik:

„Endlich“, ist man nach dieser zu Recht heftig umjubelten Premiere versucht auszurufen, „endlich hat DER NUSSKNACKER alles Betuliche, Oberflächliche und (seien wir ehrlich) auch Langweilige des ersten Teils abgelegt.“ Wie oft hat man in Aufführungen den ersten pantomimischen Teil, der sich so in die Länge zog, einfach erduldet und sich auf den zweiten, mit tänzerisch brillanten Delikatessen und Divertissements gefüllten, aber handlungsarmen, Teil im Zuckerland und der Konfitürenburg gefreut. Nun aber ist dank des choreographischen Einfallsreichtums des Zürcher Ballettdirektors Christian Spuck und der szenischen Neufassung durch Claus Spahn (dramaturgische Mitarbeit: Michael Küster) aus dem gefälligen, putzigen Weihnachtsmärchen, das selbst Kinder oft unterfordert hat, ein packendes Handlungsballett geworden. Ein Handlungsballett, das der Originalvorlage von E.T.A. Hoffmann bedeutend näher kommt als Dumas’ Bearbeitung, welche Petipa und Tschaikowski als Grundlage gedient hatte. Spahn und Spuck nehmen in ihrer Version das Abgründige, Unheimliche, Ironische, Groteske und Witzige von Hoffmanns Märchen auf, räumen der so wichtigen Nebenhandlung rund um die Prinzessin Pirlipat und die Nuss Krakatuk (bei Hoffmann macht sie gut ein Viertel der Erzählung aus) einen prominenten Platz ein und verzahnen sie geschickt mit der Haupthandlung um Marie. Entstanden ist ein Ballettabend, der von Anfang bis fast zum Ende hochspannend, intensiv und vielfältig wirkt, bei dem weder der Witz noch das Bedeutungsschwangere und leicht Abgründige fehlt, ein Abend, der was zu erzählen und zu sagen hat, ohne gleich mit dem pädagogischen Zeigefinger zu fuchteln. „Fast bis zum Ende“ deshalb, weil der Abend dann ganz am Schluss allzu sehr ins Revuehafte kippt und vieles, was vorher klug und hintergründig erarbeitet worden war, dann doch durch Luftballons und Varieté (selbst im Zuschauersaal des Opernhauses funkeln Leuchtgirlanden) relativiert wird. Schon zu Beginn wird das Setting klar: Hunderte von Lämpchen umrahmen das Bühnenportal, die Varieté- und Zirkusatmosphäre wird evoziert (die Bühne wurde von Rufus Didwiszus konzipiert). Ein trauriger, müder Clown (Ina Callejas macht das grossartig) sitzt am Bühnenrand, bläst Luft aus seinem Akkordeon, zwei weitere Clowns betreten die Bühne, stupsen ihren immer wieder einschlafenden Kollegen an, aus den hohlen Geräuschen und einzelnen Tönen des Akkordeons entsteht langsam die Melodie des Tanzes der Zuckerfee, der berühmtesten Eingebung Tschaikowskis aus seinem Ballett. Die beiden tanzenden Clowns begleiten das Geschehen den ganzen Abend hindurch mit konterkarierenden, kommentierenden, mitfühlenden und äusserst variantenreichen Tänzen – mit Yen Han und Matthew Knight sind sie hinreissend besetzt! Matthew Knight brilliert gar mit einer Steptanzeinlage, welch dann von Yen Han mit Ballettschuhen kopiert wird, nur eines von vielen Beispielen für den feinsinnigen Humor in Spucks Choreografie. Bei NUSSKNACKER UND MAUSEKÖNIG geht es ja nicht einfach um ein Weihnachtsmärchen und einen niedlichen Traum, es geht um die Verwirrung der Gefühle in der Adoleszenz, den Reifeprozess junger Menschen, die erste sexuelle Erfahrung – und eventuell auch um latenten Missbrauch. Denn der „Onkel und Pate“ Drosselmeier, der die Kinder des Medizinalrats mit seinen Zaubereien fasziniert, ist eine gar zwielichtige Gestalt (in einer der schwärzesten Szenen lässt Spuck ihn gleich mit sechs Doubles auftreten!). Dominik Slavkovsk zeichnet ihn mit dämonischer Eleganz, nur schon sein Spiel mit den Fingern auf seinem Rücken spricht Bände: Einerseits scheint er die Strippen zu ziehen, andererseits seine übergriffigen Finger im Zaum halten zu wollen. Stupend gemacht. Faszinierend auch die Marie von Michelle Willems: Erst verträumt, mädchenhaft, mit viel Empathie den vom Bruder verunstalteten Nussknacker herzend, reift sie durch die von Drosselmeier vorgegaukelte Geschichte um Prinzessin Pirlipat zur Teenagerin, überschäumend, leicht verunsichert die Liebe und den ersten Kuss entdeckend. Gerade dieser Pas de deux ist von Christian Spuck wunderbar choreografiert, ganz die Gefühle zweier junger Menschen auslotend, die tänzerische Sprache zwischen klassischen Figuren und Formen und modernem Tanz oszillierend. Ihr Partner, William Moore, bewältigt seine Verwandlungen mit geradezu überwältigender Gestaltung seiner verschiedenen Rollen. Zu Beginn taucht er schon als Nerd auf, im Pullunder und mit Brille, etwas gelangweilt und verwundert über die Bühne gehend. Doch er ist es dann auch, der der verzauberten Pirlipat den Kern aus der erlösenden goldenen Nuss Krakatuk holt, von Frau Mauserink jedoch in einen Nussknacker verhext wird, sich erst durch seinen Sieg über den Mausekönig in einen Prinzen verwandelt und nach dem Stopp von Drosselmeiers Zauberspiel wieder zum nerdigen Neffen Drosselmeiers wird und nun zusammen mit Marie eben den abschliessenden Pas de deux tanzt. Doch das Stück endet nicht etwa in der berühmten Apotheose, nein, das letzte Wort haben die Mäuse und die Clowns. In der so wichtigen Nebenhandlung glänzt einmal mehr Giulia Tonelli als Prinzessin Pirlipat. Sie ist das eigensinnige, ja manchmal richtig böse Mädchen, welches das steife Rokoko Zeremoniell am Königshofe mit umwerfender Komik durcheinander wirbelt, dann ist sie die Nuss süchtig gewordene, mit Schnauzbart und Nussknackergebiss Verhexte im gläsernen Sarg, der sich zusehends mit Nüssen füllt und sie zu ersticken droht, in letzter Minute aber von nerdigen Prinzen erlöst wird. Giulia Tonelli tanzt und interpretiert die Rolle mit urkomischer, stets augenzwinkernder Präsenz (auch im zweiten Teil, wo Marie ihr immer stärker gleicht, indem sie die Erfahrungen des Pirlipat-Traumspiels aufnimmt), virtuos, gelenkig – Klasse! Selbstverständlich haben Christian Spuck und Claus Spahn nicht auf die Filetstücke der NUSSKNACKER – Partitur verzichtet, den Schneeflocken-Walzer, den Blumenwalzer, den Tanz der Zuckerfee. Die Reihenfolgen wurden zwar aus Gründen der neuen Dramaturgie des Stücks umgestellt, was bei einer Nummern-Komposition durchaus zulässig ist. Schneekönigin, Zuckerfee und Blumenkönigin werden als Tanten der Marie am Weihnachtsabend (einige Geschenke und ein Miniatur-Weihnachtsbaum reichen aus) eingeführt. Den ersten Teil beschliesst dann der Zauber des Schneeflockentanzes, mit Elena Vostrotina als Schneekönigin und den Damen des Corps und des Junior Balletts als schwarze Schneeflocken mit Leuchtdioden im stylischen Kostüm. Überhaupt diese Kostüme: Allein schon deswegen würde sich ein Besuch der Vorstellung lohnen – Buki Shiffs Einfallsreichtum und die überaus sorgfältige Umsetzung ihrer entwürfe sind ein Meisterwerk. So auch die Blumen für die Blumenkönigin (Anna Khamazina) und ihre Doubles. Die Partner der Blumenmädchen traten mit Blumenbärten und nackten Oberkörpern auf- Flower Power pur. Eine Delikatesse im wahrsten Sinn des Wortes dann natürlich der riesige Wagenrad – Tutu der Zuckerfee, bestückt mit vielen bunten Cupcakes – und Viktorina Kapitonova tanzt damit herrlich auf den Spitzen. Von den unzähligen Mitwirkenden auf der Bühne sei noch speziell der der Fritz von Daniel Mulligan erwähnt, der mit umwerfendem Charme den streitlustigen Bruder Maries tanzt. Auch der Grossvatertanz mit Galina Mihylova und Filipe Portugal gerät zu einem Kabinettstück der ganz besonderen Art, weit ab von den oft zu erlebenden betulichen Peinlichkeiten dieser Szene. Und da sind dann natürlich noch die Boten des Unheils, die Mäuse. Mélissa Ligurgo ist eine dämonische, raumgreifende und bedrohliche Frau Mauserink. In ihrem fantastischen Kleid mit den unheimlichen Moiré Effekten beherrscht sie die Bühne (wirkt wie die böse Stiefmutter aus Schneewittchen oder die dreizehnte Fee aus Dornröschen) und ihre Mausarmee, genauso wie später der Mausekönig von Cohen Aitchison-Dugas.

Wunderbar schmissig klingt die Philharmonia Zürich unter dem leidenschaftlichen Dirigat von Paul Connelly.

Ja, dieser Ballettabend ist anspruchsvoll – und doch auch für Kinder und Jugendliche geeignet. Man soll deren Einfühlungsvermögen in die Seele von Pubertierenden mit all ihren zwischen kindlichen Tagträumen und Ängsten schwankenden Befindlichkeiten nicht unterschätzen. Dieses Ausloten der Psychen haben Christian Spuck, Claus Spahn und natürlich Pjotr Tschaikowski mit ihren jeweiligen Mitteln mit Emotion, Humor und einer Prise Ironie gekonnt umgesetzt.

Inhalt:

Marie und Fritz besuchen den Paten Drosselmeier in seiner Werkstatt. Sie sind fasziniert von einer Maschine, welche Puppen zum Tanzen bringt. Es spielt sich die Geschichte von der Prinzessin Pirlipat und der goldenen Nuss Krakatuk ab, Pirlipat wird von der bösen Frau Mauserink verhext, ein fremder Prinz rettet sie, wird dann aber von Frau Mauserink in einen Nussknacker verzaubert. Marie erhält zu Weihnachten von Drosselmeier einen Nussknacker.  Um Mitternacht wird der Nussknacker lebendig, Marie träumt sich an seiner Seite in einen Kampf gegen ein Mäuseheer. Der Nussknacker besiegt den Mausekönig, wird zum Prinzen. Er nimmt Marie mit in ein Zuckerland, mit Walzer tanzenden Blumen und einer Zuckerfee. Doch der Zauber stoppt – Marie erwacht und begegnet dem Neffen Drosselmeiers. Eine erste Liebeserfahrung Maries (und des Neffen) beginnt … .

Werk:

Tschaikowskis DER NUSSKNACKER gehört heutzutage zu den populärsten Handlungsballetten, nicht nur des russischen Komponisten, sondern der gesamten Ballettliteratur, insbesondere erfreuen sich natürlich Aufführungen zur Advents- und Weihnachtszeit grosser Beliebtheit. Für das neue Ballett fand Tschaikowski seine Inspiration in E.T.A. Hoffmanns Märchen Nussknacker und Mäusekönig und in einem Theaterstück, welches sein Bruder Modest für die Kinder seiner Schwester geschrieben hatte.

Erstaunlicherweise war die Uraufführung in der Choreographie von Lev Ivanov kein überwältigender Erfolg, die Kritiken sehr abfällig. Doch schliesslich hat sich das wunderbare Ballett mit seiner unsterblichen Melodienfülle und der zauberhaften tänzerischen Substanz doch durchgesetzt, und wem sind sie nicht vertraut, der Schneeflockenwalzer, der Tanz der Zuckerfee, der Tanz der Rohrflöten, der Blumenwalzer u.v.a.m. In der Partitur verwendet Tschaikowski auch erstmals die Celesta, ein Instrument, welches er während einer Reise nach Paris entdeckt hatte.

Populär wurde auch die Orchestersuite, welche Tschaikowski aus den schönsten Nummern des Balletts zusammengestellt hatte. Walt Disney verwendete daraus Musik für seinen Zeichentrickfilm Fantasia. Auch in Episoden von Tom und Jerry oder The Simpsons taucht Musik aus dem Nussknacker auf. Selbst in der Pop Musik haben Melodien aus Tschaikowskis NUSSKNACKER Einzug gehalten, von Duke Ellington über Emerson, Lake & Palmer bis zu den Pet Shop Boys.

Karten

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 14. Oktober 2017 Gelesen: 615


Kategorie: Der Nussknacker

Author: ballettlovers

I danced ballet as child, albeit with little success. Despite this, my passion for ballet and dance has carried into adulthood. I still love to watch ballet performances and would love to share my passion with you.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s