5 Dinge, die Sie über Ballettvorstellungen wissen sollten

1. Die Premiere ist meist nicht die beste Vorstellung!

Selbstverständlich sind Premieren bei den Zuschauern besonders beliebt. Mir gefällt es, die spezielle Atmosphäre zu geniessen, das brandneue Stück zu sehen und nachher auf der Premierenfeier die Tänzerinnen und Tänzer zu beklatschen und zu feiern.

Aber qualitati v finde ich meist die vierte oder fünfte Vorstellung besser. Dann haben sich alle Schritte und Bewegungen eingeschliffen, die Nervosität hat sich gelegt, die Tänzerinnen und Tänzer sind sicherer und können an Perfektion und Ausdruck feilen. Das Ganze wirkt souveräner und in sich runder.

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Polina Semionova Foto Staatsballett Berlin

Wenn allerdings zu viele Vorstellungen in der gleichen Besetzung getanzt werden, schleicht sich ein Gewohnheitseffekt ein. Damit meine ich, dass die Tänzerinnen und Tänzer zwar routinierter sind, aber das Feuer und die absolute Begeisterung nachlassen. Natürlich sind diese Effekte bei professionellen Companien gering.

2. Die Choreografie schreibt alles vor – jeden Schritt -einfach alles!

Bei allen klassischen Balletten legt die Choreografie die gesamte Vorstellung in jedem einzelnen Detail fest: Jeden Schritt, jede Drehung, jede Bewegung, die gesamte Besetzung – die Tänzer haben überhaupt keinen Einfluss! Sie müssen sich exakt an die Choreografie halten. Falls sie sich doch einmal die Freiheit nehmen, an der Choreografie etwas zu ändern, wird das nicht gern gesehen.

Das Ballett ist ein Kunstwerk, das der Choreograf geschaffen hat. Die Schritte und Bewegungen werden in der Choreologie detailliert schriftlich festgehalten. Primär werden heutzutage Videos eingesetzt, die den Ballettmeistern und Tänzern als Vorlage dienen. Die vom Choreografen authorisierten Ballettmeister studieren mit der Companie täglich die neue Choregrafie ein, überwachen die Schrittfolgen und korrigieren fehlerhafte Bewegungen. Meist reist der Choregraf ein bis zwei Wochen vor der Vorstellung an und arbeitet mit den Tänzerinnen und Tänzern am Feinschliff.

Nur der Choreograf kann sein Werk ändern und bestimmen, welche Companie das Ballett aufführen darf. Festgelegt werden zudem die Lichtgestaltung, das Bühnenbild, die Kostüme, die Requisten, die Musik – wirklich jedes einzelne Detail.

3. Gaststars tanzen verschiedene Choreografien der Lieblingsballette!

Unter den Klassikern sind die Lieblingsballette des Publikums Schwanensee, Nussknacker und Giselle. Diese Ballette werden weltweit oft gespielt und gehören zum Repertoire vieler Compagnien. Als besonderes Highlight werden berühmte Primaballerinen als Gastsolistin eingeladen.

So tanzt beispielsweise Polina Semionova die Giselle am Michailovsky-Theater in St. Petersburg, die Kevin McKenzie-Version am ABT in New York sowie in Berlin und Zürich vom Choreografen Patrice Bart.

Ich wundere mich immer wieder, wie sich die Primaballerinen die verschiedenen, meist sehr ähnlichen Choreografien merken können. Dies ist ein Thema für einen neuen Blog!

4. Eine Primaballerina vertanzt bis zu 3 Paar Spitzenschuhe pro Vorstellung!

Ballette wie Schwanensee, welche vor allem auf Spitze getanzt werden, beanspruchen die Spitzenschuhe enorm. Wenn die Spannung raus ist, sind sie tot – wie die Tänzerinnen das nennen – und müssen ausgetauscht werden. Die Lebensdauer der Schuhe hängt stark von der Ausprägung des Spanns und der Kraft des Fußes und natürlich der Choreografie ab. Durchschnittlich werden 1 – 2 Spitzenschuhe pro Solistin pro Vorstellung gebraucht.

Alle Schuhe sind massgefertigt und werden vor dem Tragen von den Tänzerinnen speziell bearbeitet. Jede Tänzerin hat ihre eigene Prozedur, die Spitzenschuhe zu präparieren. Sie werden geklopft, gehämmert, genäht, eingeritzt, gedämpft bis sie passen.

Beatrice Knop vom Staatsballett Berlin härtet ihre Schuhe mit Schellack. Dann läuft sie die Schuhe regelrecht ein, damit sie angenehm am Fuss sitzen. Erst der Schweiss formt die Schuhe so richtig, sagt sie in ihrer Biografie. Sie hasst neue Schuhe und bemüht sich, die bereits eingetragenen so lange wie möglich zu nutzen.

5. Der Dirigent muss ballett-tauglich sein!

Die Tempofrage, also wie schnell oder wie langsam die Musik gespielt wird, wirft oft Diskussionen zwischen dem Dirigenten und den Tänzern auf. Der Dirigent verfolgt ein künstlerisches Ziel, sodass manche Stücke sehr schwierig für das Ballettensemble zu meistern sind. Ist das Tempo zu langsam, “verhungern” die Tänzer auf der Bühne, ist es zu schnell, sind sie mit den Schritten hinterher.

Im Idealfall besteht Harmonie und Verständnis auf beiden Seiten. Der Dirigent hält Blickkontakt mit den Tänzern und Musikern. “Wie ein Seismograf muss ein Dirigent bei jeder Aufführung neu die Tagesverfassung aller Künstler erfühlen und auf Stimmungen von Tänzern und Musikern reagieren können”, sagt James Tuggle in einem Interview. Es braucht eine grosse Sensibilität des Dirigenten, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Gelingt dies, dürfen wir eine wunderbare Vorstellung geniessen.

 

 

 

 

 

 

Author: ballettlovers

I danced ballet as child, albeit with little success. Despite this, my passion for ballet and dance has carried into adulthood. I still love to watch ballet performances and would love to share my passion with you.

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